Kreidevorkommen in Deutschland

Die Kreide umfasst den Zeitraum von etwa 145 bis 66 Millionen Jahre vor heute. Sedimente der Kreide-Zeit bedecken mehr als ein Drittel der Fläche der Bundesrepublik Deutschland. Sie repräsentieren mehrheitlich marine Ablagerungen aus einer Zeit, als der Meeresspiegel deutlich höher war. Generell besteht ein deutlicher fazieller Unterschied zwischen Sedimenten der Unterkreide, die vorwiegend aus Ton- und Sandsteinen bestehen und den der Oberkreide, die von Karbonaten dominiert sind. Entsprechend ihrer räumlichen Verbreitung können in Deutschland drei Regionen unterschieden werden.

  • Kreidesedimente des Norddeutschen Beckens
  • Kreidesedimente in Becken am Rand der Rheinisch-Böhmischen Masse
  • Kreidesedimente in den Alpen

Kreidesedimente des Norddeutschen Beckens bestehen überwiegend aus Tonen, Kalksteinen und Schreibkreide. Sie repräsentieren, mit Ausnahme von einigen kontinentalen Sedimenten der Unterkreide und der späten Oberkreide, Ablagerungen eines kühlen (borealen) Epikontinentalmeeres, das sich von Skandinavien und den Shetland-Inseln bis zum Rheinischen Schiefergebirge und Thüringen erstreckte. Südlich des Norddeutschen Beckens befand sich ein Festland, das ein Liefergebiet für Sedimente war. Ein Großteil der Kreidesedimente lagert heute unter einer teils mehrere hundert Meter mächtigen Bedeckung aus Sedimenten des Känozoikums. Aufschlüsse an der Oberfläche treten nur begrenzt in tektonischen Hochlagen (z. B. Raum Braunschweig-Hannover, Wiehengebirge, Emsland, nördliches Harzvorland, Thüringen), auf Salzstrukturen (Lägerdorf, Helgoland) oder in Form von glazialen Schuppen in Stauchmoränen auf (z. B. Insel Rügen).

Kreidesedimente in Becken am Rand der Rheinischen und Böhmischen Masse sind siliziklastisch dominiert und bestehen überwiegend aus Sand- und Tonsteinen, kalkigen Siltsteinen und Mergeln, sowie mergeligen Kalksteinen. Ihre Verbreitung ist zum einen an störungsbegrenzte Beckenstrukturen entlang des Nordrandes der deutschen Mittelgebirge gebunden, wo sie die südlichen und küstennahen Faziesräume des borealen Kreidemeeres repräsentieren (Raum Aachen, Münsterländer Kreide-Becken, Sächsisches Kreidebecken). Des Weiteren gibt es Vorkommen südlich des mitteleuropäischen Festlandes im Raum Regensburg und der Oberpfalz. Die Störungen sind meist alte Strukturen aus der Zeit der variszischen Gebirgsbildung. Deren Reaktivierung während des Jura und der Kreide führte zur Anlage kleinräumiger Becken. Die Sedimentation und Beckenfüllung erfolgte während der umfassenden Transgression im Cenomanium und des sich daran anschließenden Meeresspiegelhochstands im Turonium bis Unter-Campanium.

Die Kreidesedimente in den Alpen bestehen wieder überwiegend aus Kalksteinen und Tonen mit einem untergeordneten Anteil von Sandsteinen. Sie repräsentieren die unterschiedlichen Faziesräume eines warmen Ozeans vom Flachwasser bis in mehrere Tausend Meter Tiefe, der sich vom heutigen Mittelmeerraum bis in den Himalaya erstreckte (Tethys). Ein großer Teil der Ablagerungen steht mit der beginnenden tektonischen Einengung des Alpenorogens in Verbindung. Während der alpinen Gebirgsbildung wurden die sedimentären Einheiten verfaltet und überschoben. Sie befinden sich heute in den Decken des Helvetikums, Ultrahelvetikums, Pennikums und Ostalpins.